„…DA BIN ICH SEHR FRIVOL…“

Fotos und Copyright Dieter Gebhardt

Unter diesem Titel hat die GFO gemeinsam mit der Staatsoper Hannover am 03.12.2015 zu einer Veranstaltung zum Thema „Operette“ eingeladen. Im gut gefüllten Laves-Foyer konnten wir einen abwechslungsreichen, lebendigen und überaus informativen Abend erleben.

Kornelia Repschläger, Regisseurin und Dozentin an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH), brachte uns zusammen mit Stefanie Zillig, Mezzosopran, und Steffen Henning, Bariton, begleitet durch Burkhard Bauche am Klavier in ihrem Vortrag mit vielen lebendigen Beispielen den besonderen, stets vom Zeitgeist geprägten Charakter der Operette nahe. Sie beleuchtete anschaulich die inhaltlichen und musikalischen Entwicklungsstadien mit ihren jeweiligen gesellschaftspolitischen Zeitbezügen. So schlug sie einen großen Bogen von der Bedeutung der Pariser Operette des 19. Jahrhunderts über die Wiener Operette zur Berliner Operette bis in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Auch die Auswirkungen des Nationalsozialismus auf das Genre wurden angesprochen.

Abschließend setzte sich Kornelia Repschläger mit verschiedenen Thesen zur heutigen Bedeutung und szenischen Umsetzung der Operette auseinander und legte in diesem Zusammenhang das Augenmerk besonders auf den ursprünglichen Charakter insbesondere der Pariser Operette des 19. Jahrhunderts mit ihrem frivol-erotischen Bezug. Dabei wollte sie „frivol“ auch für die heutige Aufführungspraxis durchaus in seiner vielschichtigen Bedeutung verstanden wissen: Er stehe nicht nur für „nichtig“ und „unbedeutend“, sondern auch und insbesondere für „das sittliche Empfinden, die geltenden Moralbegriffe verletzend, schlüpfrig“ (so die Definition im Brockhaus). Dieser gesellschaftskritische und aktualisierte Zugang zur Operette gilt für sie heute immer noch, so dass sie dem bekannten Germanisten und “Operettenforscher” Volker Klotz zustimmt, wenn er sagt: Die Operette „hat sich weder überlebt noch ist sie gegenstandslos geworden. Das wäre sie erst dann, wenn ihre kecken Glücksforderungen eingelöst und wenn die Objekte ihrer unartigen Angriffe verschwunden wären. Das ist nirgends der Fall, im Gegenteil.“

Der Vortrag wurde durch diverse lebendige und eindrucksvolle Musikbeiträge untermalt. So stellten uns Stefanie Zillig und Steffen Henning mit großer Spielfreude und vermeintlich „leichter Hand“ charmant und augenzwinkernd Stücke aus den den verschiedensten Epochen vor. Hier sei nur beispielhaft Steffen Hennings wunderbar ironisierende Darstellung des General Bum Bum aus Offenbachs Die Großherzogin von Gerolstein oder sein verkrampft-schüchterner Vortrag von Brühnes „Ich brech‘ die Herzen der stolzesten Frau‘n“ genannt. Aber auch das von Stefanie Zillig mitreißend, temperamentvoll vorgetragene Stück „Es gibt ja keine Männer mehr“ aus Millöckers Gasparone unterstrich in eindrucksvoller Weise die frivol-erotische Seite der Operette, genauso wie das von beiden vorgetragene Duett „Mausi, süß warst du heute Nacht“ aus Abrahams Blume von Hawaii.

Abschließend kam es zu einem lebendigen und angeregten Gedankenaustausch zwischen Kornelia Repschläger, den Künstlern und dem Publikum, an dem sich unter anderem auch die anwesende Prof. Gudrun Pelker, Dozentin für Gesang und Oper an der HMTMH, und Studentinnen der Hochschule lebhaft beteiligten.

Am Schluss war man sich einig, dass die Operette lebt und dass vor allem der Gedankenaustausch zwischen der GFO und dem Studienbereich Oper und Gesang der HMTMH fortgesetzt werden sollte.

Johanna Paulmann-Heinke

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