Einführungsmatinee „La Juive“ 08.09.2019

Einführungsmatinee „La Juive“ 08.09.2019

Die erste Einführungsmatinee unter der neuen Intendanz, ich war gespannt. Auch der Raum ist neu, solche Veranstaltungen finden nun im neu gestalteten Marschnersaal statt und nicht mehr im Lavesfoyer. Der neue Raum ist intimer, keine Sonne brennt herein. Auch vom Regionsentdeckertag draußen drang kein Laut ins Innere. Es gibt sogar Tische, perfekt für mich dazu, Notizen zu machen. Die Veranstaltung war gut besucht und die Tische sorgten dafür, dass man auch untereinander ins Gespräch kommen konnte.

Regine Palmai, Chefdramaturgin der Oper, sprach kurze, einleitende Worte, dann betraten der Dramaturg Martin Mutschler, die Regisseurin Lydia Steier und der Dirigent Constantin Trinks die Bühne. Nun, nicht ganz die Bühne, die Drei saßen nicht erhöht. Sie entschlossen sich dann, während ihrer Redebeiträge aufzustehen, damit sie besser zu sehen waren. Vielleicht besteht die Möglichkeit, für spätere Veranstaltungen dieser Art ein temporäres, kleines Podium hereinzustellen.

Martin Mutschler machte eine kurze Vorstellung (ich habe durch eigene Recherche noch etwas ergänzt). Lydia Steier stammt aus den USA. Sie wurde 2016 für „Donnerstag aus Licht“ von Stockhausen mit dem Preis der Zeitschrift „Opernwelt“ für die beste Inszenierung ausgezeichnet. Zwei ihrer Regiearbeiten wurden für den renommierten FAUST-Theaterpreis nominiert. Sie inszeniert an großen Häusern (u.a. Komische Oper Berlin, Semperoper), im letzten Jahr war von ihr bei den Salzburger Festspielen die „Zauberflöte“ zu sehen. Constantin Trinks ist auf der ganzen Welt tätig. Bis 2012 arbeitete er als Generalmusikdirektor in Darmstadt, seitdem ist er freischaffender Dirigent. Er dirigiert u.a. an der Deutschen Oper Berlin, der Bayrischen Staatsoper München und der Hamburgischen Staatsoper.

Ein erster Eindruck verfestigte sich schnell – alle brennen für das Stück. Ihre Wortbeiträge zeigten tiefe Einblicke in den Stoff und die Hintergründe.

Zu „La Juive“ von Fromental Halevy gab es einige einführende Worte. Es ist eine ausladende, opulente Oper auf ein Libretto von Eugene Scribe, die 1835 uraufgeführt wurde. Hauptpersonen sind der jüdische Goldschmied Eleazar, seine Tochter Rachel und der Kardinal Brogni, dazu kommen ein Prinz, Leopold, als Verführer der Tochter und dessen oberflächliche Ehefrau Prinzessin Eudoxie. Alles spielt sich ab im fünfzehnten Jahrhundert im Spannungsfeld der Religionen. Es geht um die Frage, wie viel Toleranz eine Mehrheit gegen eine Minderheit aufbringen muss. Dies ist eine Frage, die zur Zeit der Handlung genauso gesellschaftlicher Sprengstoff war wie zur Zeit der Uraufführung und genauso wie heute. „La Juive“ war eine der erfolgreichsten Opern des neunzehnten Jahrhunderts, bevor sie dann „vergessen“ wurde. Ein jüdischer Komponist, ein jüdischer Stoff, die Oper verschwand ab 1933 vollständig von der Bühne und wird nun langsam wiederentdeckt. In Hannover wurde sie 1930 zum letzten Mal gezeigt.

Schon die erste Szene dieses für Lydia Steier „superpräsenten Stoffes“ führt in den Konflikt hinein, fast wie in einem Thriller. Der erste Akt spielt während eines wegen der Konzilseröffnung in Konstanz verordneten christlichen Feiertags. Weil er durch seine hörbare Hämmerarbeit die Ruhe stört, soll Eleazar als Ketzer bestraft werden. Der Großvogt fordert in einem Schnellurteil den Tod für ihn und seine Tochter. Das wird durch das Eingreifen des Kardinals Brogni verhindert.

„La Juive“ ist eine „Grand Opera“ mit fünf Akten, Ballett, Massenszenen, großen Chören und herausfordernden Solopartien. Das Stück ist lang, es ist und war normal, zu kürzen. Hier in Hannover wurde bei den instrumentalen Einlagen (z.B. dem Ballett) gestrichen, das Stück dauert nun dreieinhalb Stunden. Wichtig war aber, die Struktur der Oper auf keinen Fall zu verletzen.

Constantin Trinks erzählte, dass er zuerst Vorbehalte gegen die ihm unbekannte Musik hatte, weil sie überhaupt nicht zu seinem Kernrepertoire (Strauß, Wagner) passte. Nun aber ist er begeistert von der Musik. „Es ist eine Schande, dass ich es nicht kannte.“ Besonders beeindruckt ist er vom Schluss der Oper. Für ihn ist das einer der beklemmendsten Opernschlüsse, die er kennt. Das Erzählen darüber lässt ihm eine Gänsehaut über den Arm laufen. Die Geschichte eskaliert nämlich, Rachel und Eleazar werden dann doch zum Tode verurteilt. Im Augenblick des Todes von Rachel enthüllt Eleazar dem früheren Magistrat und jetzigen Kardinal Brogni Rachels wahre Identität: Sie ist dessen verlorengeglaubte Tochter. Eleazar hatte sie seinerzeit unbemerkt aus dem brennenden Haus Broglis retten können. Eleazar geht triumphierend in den Tod, Brogni bricht zusammen. Musikalisch sei dies beeindruckend umgesetzt, ein allmähliches Ausdünnen und Verdämmern der Musik.

Es ist sehr viel Dramatik und Tragik im Stück, aber auch etwas Rossinihaftes, es geht teilweise auch lustig und witzig zu. Der Kontrast zwischen Humor, Ironie und Dramatik ist groß und erschütternd, aus dieser Fallhöhe bezieht die Oper einen großen Teil ihrer Wirkung.

Constantin Trinks ging dann näher auf die Musik ein. Sie übte erheblichen Einfluss auf Wagner auf, der dieses Stück immer verehrte. Die Originalpartitur war im Besitz Wagners und wird heute noch in der Villa Wahnfried aufbewahrt. Musik und Stoff sind ein gewisser Vorgriff auf den frühen Wagner, es ist ein Musikdrama in der Hülle einer Grand Opera. Es gibt viele Tonartenwechsel und viel Chromatik. Es ist noch nicht so weit entwickelt wie später bei Richard Wagner, aber doch erheblich komplexer als bei den meisten Stücken seiner Zeit. Die Musik ist teilweise sehr anspruchsvoll. Der Einsatz des Englischhorns für melancholische Stellen war wegweisend für spätere Werke, man denke hier an Dvoraks neunte Sinfonie.

Besonders hingewiesen wurde von allen Drei darauf, dass die Dramatik des Stoffes sich auch im Kontrast der Figuren zeigt, insbesondere dem zwischen Eleazar und Kardinal Brogni. Die Charaktere sind dabei aber ambivalent, nicht reinweiß oder tiefschwarz, sie sind nicht stereotyp gezeichnet. Der Kardinal ist unendlich milde. Aber wie weit ist das nur Show für das Publikum? Eleazar ist unsympathisch, von einem Trauma verletzt. Er ist aber auch gnadenlos ehrlich und liebt seine Tochter. Er leidet an seiner Vergangenheit, in der der Magistrat Brogni (damals noch kein Kardinal) seine zwei Söhne hat hinrichten lassen. Eleazar ist hart, dogmatisch und unbeugsam geworden und sinnt auf Rache. Hier stellt sich nicht nur für die Inszenierung die Frage, wie tolerant man gegen eine Person einer Minderheit sein kann, wenn sie nicht sympathisch ist. Rachel ist die einzige Person, die man am ehesten als uneingeschränkt edel bezeichnen kann, vielleicht ist sie daher auch die Titelfigur.

Lydia Steier und Martin Mutschler gingen dann ausführlich auf den Inszenierungsansatz ein. Für sie ist die Oper ein Stück über Machtmissbrauch und Machtstrukturen. Alte Bilder und Vorurteile halten diese Machtstrukturen aufrecht, lenken populistisch das Volk. Gezeigt wird dies hier am Beispiel des Konflikts zwischen Juden und Christen. Diese verfestigten Vorurteilsbilder werden in jedem der fünf Akte in einer anderen Zeitperiode gezeigt. Es beginnt Anfang der Sechziger des zwanzigsten Jahrhunderts im ersten Akt, geht dann mit den Zwanzigern im zweiten Akt weiter. Der fünfte Akt ist dann im fünfzehnten Jahrhundert angekommen. Mit dem Stück fällt man durch die Zeitalter, aber das Bild bzw. Vorurteil bleibt immer präsent. Das Mittelalterbild ist gegenwärtig, dies ist die Schlussfolgerung. Diese Zeitreise zeigt, woher die Klischees in unseren Köpfen kommen.

Bei aller Tiefe ist die Oper aber auch sehr unterhaltsam. Das ist die Herausforderung für eine Inszenierung. Beides – Tiefe und Unterhaltsamkeit – muss sichtbar werden. Es gibt fünfhundert Kostüme und über einhundert Perücken, der „Schauwert“ tritt in Interaktion mit dem Hintergrund des Stückes.

Lydia Steier sagte mit leicht trockenen Humor, dass als Amerikanerin ihr kultureller Hintergrund der Broadway sei. Man muss aus einem Stück herauskommen und muss es genossen haben. Man muss nicht nur etwas gelernt haben. Ein reines Lehrstück sei für sie langweilig. Sinnlichkeit und Farbe zeigen für sie die Fallhöhe des Stückes viel deutlicher.

Alle Drei waren sich dann in der Zusammenfassung über die Kernpunkte einig. Es geht um den Konflikt zwischen Mehrheit und Minderheit, dargestellt am Beispiel des Konflikts zwischen Juden und Christen. Es geht um Toleranz und Intoleranz ganz allgemein. Es geht um diesen Konflikt bei Menschen, die nebeneinander und miteinander leben (müssen). Es geht um die Frage, wie weit man den Anderen in seiner Fremdheit gelten lassen kann. Die Zeit der Uraufführung war eine Zeit großer gesellschaftlicher Auseinandersetzungen – in denen leben wir jetzt wieder. Die Grenzen von Toleranz und Offenheit in solchen müssen diskutiert werden, dazu ist diese Oper sehr gut geeignet.

„La Juive“ ist voll von hochkomplizierten und anspruchsvollen Partien. Mit einem Beispiel trat Matthew Newlin auf, er sang die Serenade des Leopold „Loin de son amie vivre sans plaisirs“. Hier steht in der Rolle ein Verführer auf der Bühne, leichtlebig, ganz ohne Sicht auf das, was er tut und was er zerstört. Der lyrische Tenor Matthew Newlin ist seit 2013 Ensemble-Mitglied der Deutschen Oper Berlin, wo er Hauptrollen wie Tamino, Belmonte, Don Ottavio, Ferrando und Graf Almaviva singt. Neben Hailey Clark als Rachel und Zoran Todorovich als Eleazar aus dem Eröffnungskonzert konnte ich hier die dritte beeindruckende Stimme für diese Oper hören. Allein schon die Stimmen lohnen den Kauf einer Karte.

Ich war von der Matinee sehr angetan. Hier arbeitet ein engagiertes Team, das ist für mich fast immer ein Garant für eine spannende Inszenierung. Das Team hat sich Gedanken gemacht, wie man den eigentlichen Kern des Werks (sein Wesen) herausarbeiten kann und ich glaube, das wird gelingen. Lydia Steier denkt von der Bühne und vom Publikum her. Schauwert gehört für sie zum Theater und muss zur Ausdeutung des Inhalts dazukommen.

Mit „La Juive“ kommt ein hochinteressantes Stück auf uns zu, das zudem relevant für unsere Gegenwart ist. Dazu können wir uns auf ein hervorragendes Ensemble freuen. Mein Tipp ist, sich schnell Karten zu kaufen und nicht erst die Premierenkritiken abzuwarten. Ich habe bereits Karten, muss aber leider noch einige Wochen meinem Besuch entgegenfiebern. Kommt mir zuvor!

Hans-Joachim Riehn

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Eröffnungskonzert der Spielzeit 19/20 an der Staatsoper Hannover am 31.08.2019

Eröffnungskonzert der Spielzeit 19/20 an der Staatsoper Hannover am 31.08.2019

Auf dieses Eröffnungskonzert waren die Operngänger in Hannover besonders gespannt. Es ist der Start der Intendanz von Laura Berman. Ein Großteil des Ensembles ist neu – ist es ein Aufbruch oder eine Enttäuschung? Viele aus dem wirklich guten alten Ensemble sind nicht mehr dabei, beim Publikum herrscht Abschiedsschmerz. Für mich kann ich sagen, dass ich sehr positiv überrascht worden bin. Ich bitte zu entschuldigen, wenn im folgenden Bericht zu oft Wörter wie „wunderbar“ und „klangschön“ vorkommen sollten – aber anders kann ich es nicht sagen.

Hochsommer draußen begleitete das Fest vor dem Haus, bei den Besuchern des Konzerts überwogen sommerlich fröhliche Farben. Das mit Tüchern mit Opernmotiven neu ausgestattete Saalpersonal trug zum frischen Eindruck bei. Der Saal war klimatisiert, die postgelben Programmzettel wurden trotzdem eifrig als Fächer benutzt. Überall bunte Farben. Laura Berman führte dann durch das Programm, in leuchtendem Orange, den Sommer und den Schalk in der Stimme. Sie hat eine wunderbare Art, auf das Publikum zuzugehen – wahrscheinlich könnte sie auch gut eine Talkshow moderieren. Unterstützt wurde sie in ihrer Moderation durch die Dramaturgen Regine Palmai, Julia Huebner und Martin Mutschler, die kenntnisreiche Kurzeinführungen zu den Opern beitrugen, aus denen Ausschnitte zu hören waren. Frau Berman erläuterte das Hauptziel des Abend: Die neuen Ensemblemitglieder stellen sich vor. Die Spannung stieg.

Zu Beginn waren Ausschnitte aus „La Juive“ von Fromental Halevy zu hören, einem Zeitgenossen Meyerbeers. Mit dieser französischen Oper voll Liebe, Romantik und Drama startet die Spielzeit. Ein unbekanntes Werk, „große französische Oper“, die Musik erinnert an den ernsten Rossini, an Donizetti, die Nähe zu Meyerbeer ist zu spüren. Zwei Stücke des Chors („Hosanna, plaisir, ivresse“ und „Quel plaisir, quelle joie“), wunderbar gesungen, gaben Vorahnungen auf grandiose Massenszenen. Hailey Clark sang dann die Romanze der Rachel „Il la venir“ und sorgte mit ihrem leuchtenden, klaren Sopran für das erste Aufhorchen. Zoran Todorovich wird als Gast sein Rollendebut als Eleazar geben. Sein Otello-gestählter Tenor hatte keine Mühe, sich über die Orchesterklänge zu erheben, bei aller Energie klangschön und textverständlich. Diese Oper wird ein Fest der großen Stimmen werden. Wie ich gehört habe, soll es an die fünfhundert Kostüme geben, also wird es wohl auch ein Fest fürs Auge. Valtteri Rauhalammi, Erster Kapellmeister der Oper, dirigierte das Niedersächsische Staatsorchester mit der gewohnten Präzision.

Wie immer zu Beginn war das hannoversche Publikum mit dem Beifall noch etwas zurückhaltend, es steht immer das für hier typische „darf man enthusiastisch sein?“ im Raum. Das Eis wurde dann mit den Ausschnitten aus „Il Barbiere di Siviglia“ von Rossini gebrochen. Hier dirigierte Michele Spotti, ein junger italienischer Dirigent, der in dieser Saison als Gast verschiedene Stücke leiten wird. Hier steht jemand am Pult, der mit Schwung und spürbarer Begeisterung alle mitreißt. Die Ouvertüre dieser Oper habe ich selten so lebendig und glühend erlebt. Danach war auch das Publikum entflammt. Nina van Essen und Hubert Zapior zeigten dann mit dem Duett Rosina/Figaro „Dunque io son“, dass man das noch steigern kann. Voller Spielfreude agierten sie, Liebesfunken sprühten. Nina van Essen erfreute mit ihrem beweglichen, sinnlichen Mezzosopran, Hubert Zapior mit seinem klangschönen Bariton. Dieses Paar auf der Bühne zu erleben wird eine Freude sein. Hannover traute sich den ersten Beifallssturm. Aber die Oper hat noch einen weiteren Figaro zu bieten – German Olvera betrat die Bühne und wickelte das Publikum mit „Largo al Factotum“ von der ersten Sekunde an um den Finger. So selbstsicher und gleichzeitig ironisch sieht man selten einen Figaro, dazu mit absolut sicherer Beherrschung der Stimme, warm und temperamentvoll. Jetzt war das Publikum vollkommen außer sich. Wahrscheinlich werden Einige so wie ich den Gedanken gehabt haben, sich die Oper zweimal anzuschauen, einmal mit Hubert Zapior und einmal mit German Olvera. Das wird ein echter Wettstreit der Womenizer auf hohem Gesangsniveau!

Nach so viel Sinnlichkeit auf der Bühne kamen zwei Arien aus „Alcina“ von Händel gerade recht, um die Gefühle ein bißchen „abzukühlen“. Händels Musik ist ja ebenfalls sinnlich, aber auf eine etwas distanziertere „britische“ Art. Evgenia Asanova sang die Arie des Bradamante „E Gelosia“, agil und mezzo-funkelnd schön. Sie wird neben Nina van Essen als Rosina zu hören sein, auch das ein spannender Wettstreit zweier hinreißender Stimmen. Rupert Charlesworth brillierte in seiner Arie des Oronte „E un Folle“ mit fast akrobatischen Gesangslinien, jeder Ton präzise auf den Punkt. Mich bringt solche Kunst einfach nur zum Staunen. Ich bin nicht so ein Fan von Barockmusik, diese beiden Darbietungen könnten einen aber zum Fan machen. Mit viel Beifall endete der erste Teil des Konzerts. In der Pause drehten sich die Gespräche um das Gehörte, freudige Erregung war zu spüren.

Den zweiten Teil des Konzerts startete das Orchester unter Valtteri Rauhalammi mit dem „Tropical Storm“ aus „Nixon in China“ von John Adams. Minimal Music geht mit Anklängen an Wagner, Strauß und Filmmusik eine faszinierende und mitreißende Mischung ein. Eine hochemotionale Klangwoge rauschte durch den Saal, phantastisch gespielt. Das ist Musik, die dem Publikum zugewandt ist. Danach präsentierte Mercedes Arcuri ein Glanzstück für Koloratursopran, die Arie „I am the wife of Mao Tse-Tung“ aus dieser Oper. Das ist ein Stück, das hohe Töne wie Giftpfeile ins Publikum schleudert, auftrumpfend und fast dämonisch. Laura Berman nannte in ihrer Anmoderation diese Rolle „die Königscobra im Haus“. Absolut präzise und voller Energie bewältigte Mercedes Arcuri die großen Tonsprünge und die gleißenden Spitzentöne.

Dann übernahm Carlos Vazquez das Dirigentenpult, der neue Studienleiter der Oper. „Märchen im Grand Hotel“ von Paul Abraham stand auf dem Programm. Im Duett Isabella/Andreas („Hoheit, heute bin bezaubert“ und „Ich wär so gerne Königin“) konnte Mercedes Arcuri eine andere Seite ihres klaren Soprans zeigen, das Lockere und Beschwingte. Philipp Kapeller glänzte mit seinem jugendlich und unbeschwert klingenden Tenor. Alexander von Hugo als Gast sang dann als Albert „Ich habe sie heute früh gesehen“ im besten Operettenton. Seine perfekte Stepeinlage riss das Publikum zu Bravos hin. Das Duett Isabella/Chamonix „Mon Ami“ schloß sich an, in dem Frank Schneiders sein komödiantisches Talent ausspielen konnte. Mit der Märchensuite schloß dieser leichte, beschwingte Teil. Der Appetit auf diese Operette war bei mir geweckt.

Ausschnitte aus „La Boheme“ beschlossen den Abend, wieder mit Michele Spotti am Pult. Das ist keine neue Inszenierung, aber die Stimmen sind neu. Nach diesen Ausschnitten steht fest, dass man sich Karten besorgen muss, denn die Stimmen dafür sind großartig und staunenswert. Long Long begann mit der Arie des Rodolfo „Che gelida manina“. Ganz frei erstrahlte die Stimme, voller Leben. Es klang wie das Natürlichste auf der Welt. Dann sang Barno Ismatullaeva die Arie der Mimi „Mi chiamano Mimi“. Ihre Stimme ist ein dunkel getönter Sopran, ein Wunder an Klang. Während der Arie saß das Publikum vollkommen still da, wie festgebannt, danach erhob sich so wie bei Long Long ein Beifallssturm. Das Programm schloss dann mit dem Walzer der Musetta und dem Finale des zweiten Bilds der Oper. Für die Musetta ist Hailey Clark eine Idealbesetzung, mit leichter, leuchtender Stimme, kokett. Das Ensemble hier auf der Bühne (jetzt dabei noch Patrick Jones, James Newby, Darwin Prakash und Richard Walshe) harmonierte perfekt, das Zuhören machte einfach Spaß. Von den jetzt neu Dazugekommenen hätte ich gern mehr gehört, aber so ein Eröffnungskonzert kann wohl nicht alle Wünsche erfüllen. Den enthusiastischen Beifall des Publikums belohnten alle Auftretenden mit dem schwungvollen „Die Majestät wird anerkannt“ aus der Fledermaus. Michele Spotti dirigierte so mitreißend, dass kein Halten mehr war. Das Publikum raste, es gab Bravos und dann die für Hannover so seltenen standing ovations. Wir müssen uns um die neue Saison keine Sorgen machen. Da kommt etwas Großes auf uns zu. Es sind Künstler von Weltklasse hier angekommen.

Hans-Joachim Riehn

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Eröffnungsfest

Ein gelungener Einstieg bei herrlichem Sommerwetter.
Wir freuen uns auf eine spannende Spielzeit!

Mitglieder des GFO-Vorstands und -Beirats beim Eröffnungsfest auf dem Opernplatz

Alles sammelt sich zum Festumzug in Richtung Schauspielhaus

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Spielzeit 2019/20

Die GFO wünscht allen Opernfreunden eine schöne neue Spielzeit.
Wir sehen uns beim Eröffnungsfest am 31. August 2019!

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GFO-Ausflug nach Bodenwerder

38 Opernfreundinnen und -freunde trafen sich am 23. Juni 2019 zu einem gemeinsamen Ausflug in die Münchhausenstadt Bodenwerder.
Bei schönstem Wetter erhielten wir zuerst spannende Einblicke in die Geschichte der Stadt und konnten, gestärkt nach einem leckeren Mittagessen, am Nachmittag im Rathauspark dem leibhaftigen Lügenbaron und seinen Zeitgenossen begegnen. Ein schöner Tag, für den wir uns herzlich bei unserem netten Busfahrer Robert, unserer kundigen Stadtführerin, dem Team des Restaurant Parga, dem Ensemble des Münchhausen-Musicals und natürlich allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern herzlich bedanken. Wir freuen uns auf die kommende Opernsaison mit vielen besonderen Erlebnissen. Ein gemeinsamer Ausflug wird bestimmt wieder dazu gehören.

(Fotos und Copyright: Friederike Schlömer)

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Mitgliederversammlung 2019

Bei der heutigen Mitgliederversammlung wurde Johanna Paulmann-Heinke als neue Vorstandsvorsitzende gewählt.
Als neues Vorstandsmitglied begrüßen wir außerdem Herrn Dr. Heiko Jacobs sowie Herrn Jürgen Puls und Herrn Hans-Joachim Riehn als neue Mitglieder des Beirats. Vorstand und Beirat freuen sich auf eine gute Zusammenarbeit mit Laura Berman und ihrem Team.
An dieser Stelle bedanken wir uns herzlich bei Christoph Trestler, der den Verein viele Jahre als Vorstandsvorsitzender nach innen und außen vertreten und wesentlich zur Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung der GFO beigetragen hat.

v.l.n.r.: Hans-Joachim Riehn, Olaf-Alexander Wiedemann, Jürgen Puls, Dr. Heiko Jacobs, Johanna Paulmann-Heinke, Susanne Weisgerber, Laura Berman, Gabriele Warda, Andrea Möller, Dr. Stephan Schmidt
(Foto und Copyright: Friederike Schlömer)

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GFO-Stammtisch am 3. Juni 2019


Auch zum letzten Stammtisch der Saison begrüßten wir wieder sehr nette und gesprächige Gäste von der Staatsoper. Frau Swantje Köhnecke, Dramaturgin, Herrn Hans-Christian Euler, 1. Violine Orchester, Herrn Martin Kreilkamp, Chorsänger und Herrn Patrick Jones, Chorsänger.
Alle berichteten sehr ausführlich über ihren beruflichen Werdegang und ihre Arbeit am Opernhaus. Es entwickelte sich ein lebhafter Gedankenaustausch über Intendantenwechsel, Spielplangestaltung, Kulturpolitik sowie das Dauerthema „Wie interessieren wir junge Leute für Oper, Theater, klassische Musik und Kunst?“.
Das gute Betriebs- und Arbeitsklima an der Staatsoper wurde auch dieses Mal ausdrücklich hervorgehoben, was wir als Besucher der Vorstellungen ja auch spüren können.
Ein großes Lob und Dankeschön geht an das Serviceteam von „Meiers Lebenslust“ das uns wie immer freundlich und geduldig bewirtet hat.

Gabriele Warda

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Eine broadwayreife Leistung!

Die GFO gratuliert dem Produktionsteam West Side Story herzlich zu der wohlverdienten Auszeichnung mit dem GFO-Wanderpreis als beste Neuinszenierung der Spielzeit 2017/18.

Mit großer Freude begrüßte der GFO-Vorstand am 25. Mai 2019 im Anschluss an eine ausverkaufte Vorstellung die Künstlerinnen und Künstler im Laves-Foyer. Unter begeistertem Applaus des Publikums überreichte Susanne Weisgerber den Preis stellvertretend an das Ensemble.

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Die Intendanz von Dr. Michael Klügl

Die Intendanz von Dr. Michael Klügl

… für eines der schönsten Opernhäuser in Deutschland laut eigener Aussage. Wenn man seine 13 Spielzeiten miterlebt, kann man die 13 durchaus als Glückszahl ansehen. Mit einem vielseitigen Spielplan und hochwertigen Aufführungen gelang es kurzfristig, die durch den Vorgänger abgestürzten Besucherzahlen zu normalisieren.

Als ständiger Besucher seit anno 1958 und „Überlebender“ von vier Intendanzen möchte ich als größte Leistung die „Komposition“ des bisher besten Ensembles anerkennen. Über Jahre hinweg konnten sich viele Stimmen weiterentwickeln und uns so begeistern.

Auch bei der Auswahl der Regisseure hatte Dr. Klügl überwiegend ein „gutes Händchen“. So fiel es uns GFO-Mitgliedern stets leicht, jede Spielzeit den Wanderpreis Harfe zu verleihen. Sicherlich hätte man mehr als eine Inszenierung pro Spielzeit auszeichnen können. Deshalb erlaube ich mir, für die ersten zwölf Spielzeiten 24 Werke zu benennen. Dies gibt mir auch Gelegenheit, jeweils eine Interpretin oder einen Interpreten hinzuzufügen, der im genannten Werk Außergewöhnliches leistete.

Aci, Galatea e Polifemo: Carmen Fuggiss
Anatevka: Roland Wagenführer
Candide: Frank Schneiders
Carmen: Khatuna Mikaberidze
Cavalleria Rusticana: Monika Walerowicz
Dialoge der Karmelitinnen: Dorothea Maria Marx
Don Carlos: Tobias Schabel
Falstaff: Stefan Adam
Die Fledermaus: Mareike Morr
Jenůfa: Kelly God
Lady Macbeth von Mzensk: Per Bach Nissen
Manon Lescaut: Karine Babajanyan
Ein Maskenball: Rafael Rojas
Mefistofele: Shavleg Armasi
Otello: Brigitte Hahn
Reise nach Reims: Ania Vegry
Das Rheingold: Robert Künzli
Salome: Brian Davis
Die Teufel von Loudun: Julie-Marie Sundal
Aus einem Totenhaus: Stefan Zenkl
La traviata: Nicole Chevalier
Wilhelm Tell: Sung-Keun Park
Der Rosenkavalier: Albert Pesendorfer
Werther: Philipp Heo

Ich bitte um Verständnis, wenn ich bei dieser Vorgehensweise nicht alle Künstler berücksichtigen konnte.

Die Zusammenarbeit mit der GFO gestaltete sich optimal, dies zeigte sich insbesondere bei der Nachwuchsförderung „Tatort Oper“. Ein sehr positiver Beitrag war auch die Gründung der Jungen Oper. Frau Dr. Preissinger verpflichtete zu den Stiftungskonzerten, mit denen jeweils die neue Spielzeit eröffnet wurde, internationale Stars. Ebenso für die Festlichen Opernabende. Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang die Weihnachtskonzerte der Stiftung Orchester des Ehepaares Furch. Die Dramaturgen vermitteln vor den Aufführungen interessantes Wissen, besonders hervorstechend Dr. Klaus Angermanns Moderationen.

Unter den drei Generalmusikdirektoren Wolfgang Bozic, Karen Kamensek – vor allem durch Ivan Repušić entwickelte unser Orchester von Jahr zu Jahr Höchstleistungen. Stellvertretend für viele weitere Kollegen mochte och Mark Rohde nennen, der mit vielseitigen Dirigaten überzeugt. Bei den Sinfoniekonzerten kommt es besonders in den letzten Jahren – auch durch die Verpflichtung namhafter Gastdirigenten und Solisten – zunehmend zu ausverkauften Vorstellungen.

Beim Ballett hat Jörg Mannes mit seinen Produktionen stets Aug‘ (Choreografie – Bühne – Kostüme) und Ohr (mitreißende Musikauswahl) verwöhnt. Ich beklage ausdrücklich, dass dies nun vorbei sein soll.

Die Führungskräfte des Hauses zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie gute Kontakte zu ihrem Publikum unterhalten und auf Anregungen und konstruktive Kritik reagieren.

Selten hat man so viele auswärtige Kfz-Kennzeichen in der Opernhaus-Tiefgarage gesehen, wie an den Opernball-Tagen. Wo findet man sonst an zwei Abenden jährlich wechselnde Themenwelten?

Die totale Auflösung des Sängerensembles und des Balletts hätte man gut durch eine mögliche Verlängerung mit Dr. Klügl verschieben können. Zitat aus der HAZ vom 29.08.2018: „Wenn man mir eine neue Intendanz anböte, würde ich nicht NEIN sagen.“ So wird der geschätzte Intendant große Spuren hinterlassen. Mit besonderer Spannung blicke ich daher in die Zukunft unseres geliebten Hauses.

Folker Konrad

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Künstlerlunch im Luisenhof

Künstlerlunch im Luisenhof

Zum zweiten Künstlerlunch dieser Spielzeit am 28. April 2019 waren wieder 45 GFO-Mitglieder gekommen, um sich mit Künstlern des Opernhauses bei leckerem Essen auszutauschen und Neues über den Beruf des Sängers, Musikers oder Regisseurs zu erfahren.
Karine Babajanyan war der Einladung gefolgt und berichtete lebhaft von ihrem Sängerinnenberuf, der sie zwischen Städten wie Budapest, Wien, Hannover und Stuttgart pendeln lässt. Neil Barry Moss, der Operngesang, Musik- und Theaterwissenschaften in Kapstadt studiert und einen Master-Studiengang in Regie und Dramaturgie absolviert hat, erzählte begeistert von seinem Theaterleben, das immer sehr abwechslungsreich ist. Berit Rufenach, Geigerin im Staatsorchester, plauderte über Dirigenten, Aufführungen und Proben und erzählte sehr anschaulich über ihre Ausbildung. Der Bass Yannick Spanier freut sich auf die kommende Spielzeit, denn er wird auch dem zukünftigen Ensemble angehören. Clara Kunzke aus dem Staatsopernchor erzählte, wie sie sich neben den Herausforderungen bei Opernaufführungen ihrem weiteren Studium widmet, und Mohsen Rashidkhan, ebenfalls aus dem Staatsopernchor, engagiert sich neben seiner Tätigkeit im Opernhaus für den „Chor der Nationen“, den er vor einiger Zeit gegründet hat und dessen Leiter er ist.
Es war wieder einmal ein fröhlich-beschwingter Vormittag, und die Gesprächsthemen gingen nicht aus.
Wir freuen uns, dass der Künstlerlunch auch in der nächsten Spielzeit seinen Platz haben wird.

Susanne Weisgerber

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