Intendantentreffen 2016/17

»TATORT OPER der GFO: Gespräche über die Oper und eine notwendige Schnäppchenjagd«

Jedes Jahr zur Osterzeit treffen sich die zehn an dem TATORT-OPER-Programm der GFO teilnehmenden Schulen mit Herrn Dr. Klügl, um über die bis zu diesem Zeitpunkt gesehenen Aufführungen an der Hannoverschen Staatsoper zu diskutieren. Neben Herrn Dr. Klügl standen dieses Jahr auch der Ballettdirektor Herr Mannes, der Bariton Herr Adam und Frau Fölling von der Opernpädagogik und Jungen Oper den ca. 120 Schülern Rede und Antwort.

Tradition ist es bei dem Intendantentreffen, dass jeweils eine Schule eines der fünf gesehenen Werke mit einer kurzen szenischen Darstellung vorstellt, um die Aufführung mit ihrer zentralen Aussage wieder in Erinnerung zu bringen und um die Gespräche abwechslungsreicher zu gestalten. Diese sog. Anmoderationen wurden diesmal vom GYMNASIUM BAD NENNDORF unter Herrn Groß mit einer Art Sketch über die große Mildtätigkeit des Herrschers zu Mozarts Oper La Clemenza ti tito eingeleitet. Danach folgte der gesungene und szenisch interpretierte Vortrag von Schuberts bekanntem Lied „Das Wandern ist es Müllers Lust“ durch die TELLKAMPFSCHULE mit Herrn Saathoff als Erinnerung an Jörg Mannes’ Ballett Schubert. Das Singen wurde durch allerhand Akrobatik unterstützt, die das romantische Motiv des Wanderns verdeutlichen sollte. Das GYMNASIUM GROSSBURGWEDEL mit Frau Bleich ließ das Schicksal der Titelheldin aus Puccinis Oper Manon Lescaut in Gesprächen von verschiedenen „Klatschweibern“ durch Fensterrahmen Revue passieren. Das ALBERT-SCHWEITZER-GYMNASIUM aus Nienburg mit Frau Suckel wiederum verlegte in seiner Interpretation die Verkaufte Braut in Anlehnung an Martin G. Bergers Inszenierung in eine kontroverse Talkshow, in der die Protagonisten des Werkes der Moderatorin über ihre Wünsche und Gedanken Rede und Antwort stehen mussten. Zum Abschluss folgte eine Interpretation von Wagners Fliegendem Holländer durch die GOETHESCHULE unter Frau Führ, in der die Schülerinnen und Schüler in einer Art Rundtanz zur Holländer-Musik, die immer wieder angehalten wurde, die innersten und versteckten Wünsche der zentralen Figuren der Oper offenlegten.

In den intensiven Gesprächen über die Werke ging es z.B. um die Bedeutung der Kostüme in Mozarts Titus, denn die Kleidung wird im Verlauf der Oper zunehmend steifer und geradezu maoistisch. Diese Veränderung sollte symbolisieren, dass die Gesellschaft aufgrund von Titus’ Mildtätigkeit, die auch viel mit Unentschiedenheit zu tun hat, geradezu erstarrt.

Über die Choreographie des Balletts Schubert hatte Herr Mannes berichtet, dass während des Entstehungsprozesses viele Ideen von den einzelnen Tänzern mit eingeflossen sind und dass das Ballett ganz verschiedene Aspekte aus Franz Schuberts Leben aufnimmt: So sind z.B. die Kostüme der Tänzer teilweise durchsichtig, um Verletzlichkeit zu illustrieren oder bestehen aus Röcken, um die Biedermeierzeit zu repräsentieren.
Bei dem aufwendigen Bühnenbild zu Manon Lescaut hat die Schüler natürlich brennend interessiert, wie teuer diese Inszenierung eigentlich war: Ohne den genauen Preis zu nennen, hat Herr Dr. Klügl aber betont, dass man als Intendant auch zum Schnäppchenjäger wird: Um die Kosten zu senken, wird einerseits preiswerter Stoff teilweise auf Vorrat eingekauft, andererseits sollten Kostüme im gewissen Rahmen auch wiederverwendbar sein.

Schließlich hat Herr Adam den Schülern u.a. noch gestanden, dass für ihn Lampenfieber Teil seiner Arbeit sei und dass das ein Zeichen dafür sei, wie ernst er seine Arbeit und das Publikum nehmen würde. Außerdem hat der Sänger darüber berichtet, dass die Arbeit mit einem Regisseur nicht selten auch eine gewisse Konfrontation sei, denn das Verständnis zu einer Rolle sei nicht immer identisch. So müsse im Laufe des Probenprozesses ein gemeinsamer Weg entwickelt werden und das könne auch sehr anstrengend sein.
Für die Schülerinnen und Schüler war übrigens die Aufführung der Verkauften Braut die überzeugendste Vorstellung der Saison.

Lehrer, die mit Ihrer Schule nahezu kostenlos an dem Programm TATORT OPER teilnehmen wollen und sechs Vorstellungen in der Saison besuchen möchten, können sich bei dem Leiter des Programms, Herrn Dr. Stephan Schmidt, bewerben: stephan.schmidt@gbg-seelze.eu.

Fotos und Copyright: Dr. Stephan Schmidt