Die Intendanz von Dr. Michael Klügl

Die Intendanz von Dr. Michael Klügl

… für eines der schönsten Opernhäuser in Deutschland laut eigener Aussage. Wenn man seine 13 Spielzeiten miterlebt, kann man die 13 durchaus als Glückszahl ansehen. Mit einem vielseitigen Spielplan und hochwertigen Aufführungen gelang es kurzfristig, die durch den Vorgänger abgestürzten Besucherzahlen zu normalisieren.

Als ständiger Besucher seit anno 1958 und „Überlebender“ von vier Intendanzen möchte ich als größte Leistung die „Komposition“ des bisher besten Ensembles anerkennen. Über Jahre hinweg konnten sich viele Stimmen weiterentwickeln und uns so begeistern.

Auch bei der Auswahl der Regisseure hatte Dr. Klügl überwiegend ein „gutes Händchen“. So fiel es uns GFO-Mitgliedern stets leicht, jede Spielzeit den Wanderpreis Harfe zu verleihen. Sicherlich hätte man mehr als eine Inszenierung pro Spielzeit auszeichnen können. Deshalb erlaube ich mir, für die ersten zwölf Spielzeiten 24 Werke zu benennen. Dies gibt mir auch Gelegenheit, jeweils eine Interpretin oder einen Interpreten hinzuzufügen, der im genannten Werk Außergewöhnliches leistete.

Aci, Galatea e Polifemo: Carmen Fuggiss
Anatevka: Roland Wagenführer
Candide: Frank Schneiders
Carmen: Khatuna Mikaberidze
Cavalleria Rusticana: Monika Walerowicz
Dialoge der Karmelitinnen: Dorothea Maria Marx
Don Carlos: Tobias Schabel
Falstaff: Stefan Adam
Die Fledermaus: Mareike Morr
Jenůfa: Kelly God
Lady Macbeth von Mzensk: Per Bach Nissen
Manon Lescaut: Karine Babajanyan
Ein Maskenball: Rafael Rojas
Mefistofele: Shavleg Armasi
Otello: Brigitte Hahn
Reise nach Reims: Ania Vegry
Das Rheingold: Robert Künzli
Salome: Brian Davis
Die Teufel von Loudun: Julie-Marie Sundal
Aus einem Totenhaus: Stefan Zenkl
La traviata: Nicole Chevalier
Wilhelm Tell: Sung-Keun Park
Der Rosenkavalier: Albert Pesendorfer
Werther: Philipp Heo

Ich bitte um Verständnis, wenn ich bei dieser Vorgehensweise nicht alle Künstler berücksichtigen konnte.

Die Zusammenarbeit mit der GFO gestaltete sich optimal, dies zeigte sich insbesondere bei der Nachwuchsförderung „Tatort Oper“. Ein sehr positiver Beitrag war auch die Gründung der Jungen Oper. Frau Dr. Preissinger verpflichtete zu den Stiftungskonzerten, mit denen jeweils die neue Spielzeit eröffnet wurde, internationale Stars. Ebenso für die Festlichen Opernabende. Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang die Weihnachtskonzerte der Stiftung Orchester des Ehepaares Furch. Die Dramaturgen vermitteln vor den Aufführungen interessantes Wissen, besonders hervorstechend Dr. Klaus Angermanns Moderationen.

Unter den drei Generalmusikdirektoren Wolfgang Bozic, Karen Kamensek – vor allem durch Ivan Repušić entwickelte unser Orchester von Jahr zu Jahr Höchstleistungen. Stellvertretend für viele weitere Kollegen mochte och Mark Rohde nennen, der mit vielseitigen Dirigaten überzeugt. Bei den Sinfoniekonzerten kommt es besonders in den letzten Jahren – auch durch die Verpflichtung namhafter Gastdirigenten und Solisten – zunehmend zu ausverkauften Vorstellungen.

Beim Ballett hat Jörg Mannes mit seinen Produktionen stets Aug‘ (Choreografie – Bühne – Kostüme) und Ohr (mitreißende Musikauswahl) verwöhnt. Ich beklage ausdrücklich, dass dies nun vorbei sein soll.

Die Führungskräfte des Hauses zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie gute Kontakte zu ihrem Publikum unterhalten und auf Anregungen und konstruktive Kritik reagieren.

Selten hat man so viele auswärtige Kfz-Kennzeichen in der Opernhaus-Tiefgarage gesehen, wie an den Opernball-Tagen. Wo findet man sonst an zwei Abenden jährlich wechselnde Themenwelten?

Die totale Auflösung des Sängerensembles und des Balletts hätte man gut durch eine mögliche Verlängerung mit Dr. Klügl verschieben können. Zitat aus der HAZ vom 29.08.2018: „Wenn man mir eine neue Intendanz anböte, würde ich nicht NEIN sagen.“ So wird der geschätzte Intendant große Spuren hinterlassen. Mit besonderer Spannung blicke ich daher in die Zukunft unseres geliebten Hauses.

Folker Konrad

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